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Warum alte Muster in neuer Verpackung scheitern

11.12.2024von TROTZDEMTransformation
Warum alte Muster in neuer Verpackung scheitern

Wir haben uns transformiert. Das Programm ist abgeschlossen, der Bericht liegt vor, die neuen Rollen sind besetzt, die Organigramme sind gedruckt. Was jetzt kommt, ist Betrieb.

Ein Programm mit Anfang, Budget und Enddatum ist kein Denkfehler. In einer großen Organisation ist es die einzige Form, in der etwas Großes überhaupt in Bewegung kommt. Ohne Termin wird nichts priorisiert, ohne Budget stellt niemand jemanden frei, und ein Umbau ohne Ende zermürbt alle Beteiligten und endet als Dauergespräch, an dem irgendwann keiner mehr teilnimmt. Es wird dabei auch tatsächlich etwas erreicht. Zuschnitte ändern sich, Prozesse werden neu geschrieben, Werkzeuge abgelöst, Rollen entstehen, die es vorher nicht gab. Wer das gemacht hat, hat gearbeitet.

Mit dem Programm endet nur auch das Hinsehen.

Was nie auf der Liste stand

Ein Programm verändert, was in seinem Umfang liegt. Rollen, Bezeichnungen, Prozesse, Werkzeuge, die Sitzungsstruktur. Was nicht in seinem Umfang lag, läuft unverändert weiter, und das ist in fast jedem Haus dasselbe: in welches Budgetjahr eine Entscheidung fällt und wer sie dort unterbringen muss. Wofür befördert wird. Wer gefragt werden muss, bevor jemand von der Regel abweicht. An welcher Zahl eine Führungskraft am Jahresende gemessen wird.

Diese vier Dinge sind zusammen die eigentliche Betriebsanleitung des Hauses. Sie sagen jedem Beschäftigten jeden Tag, was sich hier lohnt, und sie sagen es verlässlicher als jede Absichtserklärung, weil an ihnen Geld und Aufstieg hängen. Auf der Programmliste standen sie nicht, und dafür gibt es einen nüchternen Grund.

Der Umfang folgt der Zuständigkeit

Der Zuschnitt eines Umbauprogramms folgt selten dem Problem. Er folgt der Zuständigkeit dessen, der es verantwortet. Wer den Auftrag bekommt, kann über Rollen, Abläufe und Werkzeuge in seinem Bereich verfügen. Über den Budgetkalender verfügt er nicht, über die Beförderungskriterien nicht, über die Berichtslinien und die Kennzahlen, an denen andere gemessen werden, ebenso wenig. Also stehen sie nicht im Auftrag. Nicht weil jemand sie übersehen hätte, sondern weil sie sich von dieser Stelle aus nicht beauftragen ließen.

Das hat eine unangenehme Folge. Der Teil einer Organisation, der am stärksten prägt, was tatsächlich getan wird, ist zugleich der Teil, den ein Umbauprogramm am schlechtesten erreicht. Und je größer das Haus, desto weiter liegen beide auseinander.

Deshalb tauschen sich die Etiketten, ohne dass sich das System tauscht. Eine Stelle für digitale Entwicklung, die in Freigabeschleifen entscheidet, weil ihr niemand die Freigabeschleifen genommen hat. Eine Einheit für Neues, die ihre Ausgaben in der Jahresplanung so begründen muss wie eine Maschineninvestition. Ein neues Geschäftsmodell, dessen Erfolg an der Kennzahl des alten gemessen wird. Das ist keine Heuchelei, und es sind auch nicht die falschen Leute auf den Stellen. Alle verhalten sich korrekt gegenüber den Regeln, die sie tatsächlich bezahlen.

Auffällig ist, wie die Erklärung dafür meistens ausfällt. Sie fällt persönlich aus. Die Leute wollen nicht, das mittlere Management zieht nicht mit, in den Köpfen ist es noch nicht angekommen. Diese Erklärung hat einen Vorteil, den selten jemand benennt: Sie verlangt niemandem eine Entscheidung ab. Köpfe lassen sich nicht per Vorlage ändern, also bleibt es beim Bedauern. Die unpersönliche Erklärung wäre unbequemer. Sie hieße, dass jemand den Budgetkalender anfassen müsste oder die Kriterien, nach denen befördert wird, und dafür gäbe es einen Namen, einen Termin und einen Widerspruch mit Absender.

Warum der Abschluss die Sache verschließt

Solange ein Programm läuft, ist die Abweichung erwünscht. Wer meldet, dass eine Freigabe wieder so lange gedauert hat wie vor dem Umbau, liefert einen Befund. Dafür gibt es das Programm, dafür gibt es die Vorlage, das Gremium und den Termin, an dem so etwas besprochen wird.

Nach dem Abschluss ist dieselbe Meldung eine Beschwerde. Sie hat keinen Adressaten mehr und keinen Ort, an dem sie hingehört. Der Befund wird zur Nörgelei, ohne dass sich an ihm ein Wort geändert hätte. Geändert hat sich nur, dass es jetzt eine offizielle Antwort auf die Frage gibt, wie es hier läuft, und diese Antwort steht im Bericht.

Das ist der Grund, warum die Rückkehr des Alten so lautlos wirkt. Es ist keine Rückkehr. Das Alte war nie weg, es wurde nur eine Zeit lang beobachtet und gemeldet. Der Abschluss beendet die Meldung, nicht den Zustand. Und er beendet sie ausgerechnet in dem Moment, in dem die wertvollsten Beobachtungen erst entstehen. Was während eines Programms hält, hält unter Aufsicht. Was danach hält, hält.

Zwei Fragen statt eines Abschlussberichts

Ob ein Umbau getragen hat, lässt sich nicht daran ablesen, ob seine Maßnahmen erledigt sind. Erledigt sind sie immer, sonst gäbe es den Bericht nicht. Zwei andere Fragen tragen weiter, und beide verlangen Namen und Daten statt Einschätzungen.

Die erste. Welche konkrete Entscheidung ist im letzten Quartal anders ausgefallen, als sie vor dem Umbau ausgefallen wäre? Nicht anders getroffen, anders ausgefallen. Wer keine einzige nennen kann, hat Verfahren geändert und sonst nichts, und das ist eine belastbare Auskunft, keine Schmähung.

Die zweite ist genauer, und deshalb wird sie seltener gestellt. Wer ist seit dem Abschluss befördert worden, und wofür? Nichts erklärt einer Organisation so zuverlässig, was hier wirklich erwünscht ist, wie die Liste derer, die aufgestiegen sind. Stehen dort dieselben Verdienste wie vor dem Umbau, dann weiß jeder im Haus, was der Umbau wert war. Niemand muss es aussprechen, und niemand wird es tun.

Ein Programm lässt sich abschließen. Eine Organisation liest jeden Tag nach, was sich hier lohnt. Sie liest es nicht im Abschlussbericht.

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